VORGESCHICHTE

Vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Dallgow

Mit Feuerleiter, Feuerhaken und ledernem Feuereimer

Am 5. Juni 1909 wurde die Freiwillige Feuerwehr Dallgow ins Leben gerufen. Die Vorsorge vor meist schnell um sich greifenden Bränden und das gemeinschaftliche Vorgehen bei Ausbruch von Feuer sind um einiges älter.

Schon lange vor diesem Zeitpunkt hatte die Gemeinde eine Handdruckspritze und 50 m Schlauchleitung in Besitz. Ausgebildete Feuerwehrleute gab es nicht. Zur Brandbekämpfung war jeder Hausbesitzer verpflichtet. Durch Verordnung mussten sie eine Feuerleiter, einen Feuerhaken und lederne Feuereimer zur Brandbekämpfung bereithalten. Schlauch und Spritze waren bei dem Schmiedemeister stationiert. Öffentlich ausgehängte Feuertafeln bestimmten die Besitzer von Pferden zur Gespannstellung. Brach Feuer aus, wurde eine bestimmte Kirchenglocke geläutet. Diese Sturmglocke alarmierte die Einwohner. Der Schmiedemeister, Spritzenmeister und der Gemeindevorsteher saßen auf der Spritze. Der Gemeindevorsteher war als Löschkommissar mit einer Armbinde gekennzeichnet. Der Schmiedemeister trug das einzige Uniformstück der Löschmannschaft, einen Feuerwehrhelm. Hinter der Spritze fuhren die Landwirte auf einem Leiterwagen zum Brandplatz. Das Dorf hatte vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr mehrere große Brandkatastrophen erlebt und oft standen die Menschen dabei den Gewalten recht hilflos gegenüber.

Am 9. Juli 1845 schlug der Blitz im Dorf ein und die fünf Höfe Bartel, Ewes, Schulze, Maas und Müller brannten völlig nieder. Dass die Dallgower Bauern bereits zu dieser Zeit Vorsorge zur Brandbekämpfung getroffen hatten, beweist der Rehabilitationsplan, datiert vom 4. August 1845 zum Wiederaufbau der abgebrannten Bauerngehöfte. Auf dem Plan ist am Dorfplatz bereits das Spritzenhaus eingetragen. Vermutlich stand darin zu dieser Zeit bereits die erwähnte Handdruckspritze. Drei Jahre später brannte es in Rohrbeck während der Ernte drei Tage lang. Das Pfarrhaus brannte nieder, sämtliche Kirchenakten wurden bei dem Feuer vernichtet. Die Dallgower halfen beim Löschen.

Sehr genau ist der Verlauf einer weiteren Dallgower Brandkatastrophe überliefert. 1869 vernichtete eine große Feuersbrunst einen großen Teil des Dorfes. Das Feuer kam in der Nacht zum 7. April in dem Hause des Büdners Kobelke (Schulstraße) auf und ergriff schnell die schon halb abgedeckte Scheune des Stolpschen Gehöftes sowie Arbeitshäuser mehrerer benachbarter Bauern. Von einem Stall wurden durch den herrschenden Südwind die Funken nahe dem jenseits der Kirche liegenden Gehöft von Euent geweht, welches nun ebenfalls nebst Arbeiterhaus und Scheunen in Flammen aufging. Inmitten dieses Feuermeeres stand die Kirche mit ihrem Turm noch unversehrt dar. Plötzlich wirbelte der Wind im brennenden Wohnhaus Karl Stolp in der Hauptstraße (heute Johann-Sebastian-Bach-Straße) aus dem Rauchfang eine der vielen glimmenden Speckseiten auf das Schindeldach des Kirchturmes und tanzte gleichsam auf diesem hin und her, ohne anfangs das Dach zu entzünden. Obwohl man sich Mühe gab, den brennenden Speck zu fassen, gelang es doch nicht und schließlich erfasste das Feuer die unter dem Turmdach befindlichen Sperlingsnester und bald brannte der ganze Turm gleich einer mächtigen Feuergarbe. Durch die Hitze wurden die Glocken in Schwingungen gebracht und begannen zu tönen, bis sie schließlich, nachdem der Glockenstuhl ebenfalls vom Feuer erfasst worden war, mit dem gesamten Holzwerk des Turmes zusammenbrachen. Die Glocken waren in der Glut fast vollständig zerschmolzen. Die Kirche aber war wie ein Wunder, abgesehen von der Chortür, unversehrt geblieben. Die schnelle Ausbreitung des Feuers erklärt sich aus der Bauweise der Häuser, die oft nur aus Holz bestanden und mit Stroh gedeckt waren. Gleich nach dem Brande wurden die Gehöfte wieder aufgebaut und auch der Kirchturm wurde wieder hergerichtet und der Bau 1872 beendet.

Bei einem weiteren Feuer im Jahre 1903 konnten von vier Gehöften nur die Wohnhäuser erhalten werden.

Autor: Andreas Krüger, Frank Schulze

 

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